Die Freiluftbibliothek

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Seit zehn Jahren trägt in der Stadt Bonn die Idee Früchte, den Bürgern einen »Offenen Bücherschrank« zur freien Ausleihe von Büchern an verschiedenen Stellen der Stadt anzubieten. Die schlichte Grundüberlegung lautete: »Buchausleihe ohne Formalitäten und Zugang für alle.«

Bücher sollten in einem öffentlich zugänglichen Möbel entnommen und nach Nutzung wieder eingestellt werden können. Stille Kuratoren in der Nachbarschaft kümmern sich um den Bestand und Zustand eines öffentlichen Bücherregals. Aber der Erfolg des Gedankens beruht auch auf dem überragenden Design.

Die Initialzündung

Als die Bürgerstiftung der Stadt Bonn 2002 einen Wettbewerb für die Belebung des kulturellen Lebens auslobte, reichte die junge Designerin Trixy Royeck eine von ihr entwickelte wetterfeste Bücher-Stele aus Stahl, einen »Offenen Bücherschrank«, als Vorschlag ein. Diese sollte – an einer geeigneten Stelle im städtischen Raum aufgestellt – Bücher zur formalitätsfreien Ausleihe anbieten.

Die Gestaltungsentwurf fiel so überzeugend aus, dass die Jury ihr den ersten Preis zuerkannte und im Jahr 2005 in Bonn, am Beginn der belebten Poppelsdorfer Allee, das erstes Modell aufstellen ließ. Heute, knapp zehn Jahre später, ist der »Offene Bücherschrank« aus dem städtischen Leben nicht mehr wegzudenken. Der Erfolg hat verschiedene Ursachen.

Das Design

Der Bücherschrank besteht aus einem schlanken Stahlkorpus mit robusten Glastüren als Wetterschutz und fest angebrachten Regalfächern. Er überzeugt in seiner industriell anmutenden Funktionalität und wird dadurch bereits ein Schmuckstück. Die Regalfächer sind so angebracht, dass Kinder ihre Bücher auf Augenhöhe  finden, die Abstände so gewählt, dass die Unterbringung unterschiedlicher Formate möglich ist.

Das System

Die Ausleihe erfolgt ohne Formalitäten. Ein Buch kann entnommen werden und zu einem späteren Zeitpunkt zurückgestellt werden. Freiwillig können eigene Bücher eingestellt werden. So vollzieht sich ein ständiger Angebotswechsel. Leihfristen gibt es nicht.

Die Betreuung

Mehrere Personen in der Nachbarschaft übernehmen die »Patenschaft« für das Bücherregal. Sie achten insbesondere darauf, das nicht »vermittelbare« Bestände aus Bibliotheksauflösungen die Regale verstopfen.

Und die Praxis…?

Die Stele wurde in Bonn schnell angenommen. Andere Stadtteile bewarben sich für das Möbel und die sorgsam ausgesuchten weiteren Plätze trugen in der Vergangenheit zum Erfolg bei. Am Erststandort Poppelsdorfer Allee, einem Kreuzungspunkt für Büroangestellte, Studenten und Bürgertum stöbern fast zu jeder Tageszeit Vorbeikommende. Sie schauen durch die Bestände, verkürzen sich die Wartezeit auf dem Bus mit einer Lektüre oder unterbrechen die Fahrradfahrt für einen kurzen Blick. Viele Suchende kommen ins Gespräch.

In Bonn-Endenich, einem Viertel mit Bühnen und Cafés und einem ansonsten fast dörflichen Flair, sammelt sich ein anderes Publikum um diese Art von Lesebrunnen. Am Bonner Rheinufer in Beuel sind es oft Flaneure, die sich durch den ungewöhnlichen Bücherschaukasten angezogen fühlen.

Mag sein, dass hier eine Idee aus der Aktionskunstszene der 1990er lediglich aufgegriffen worden ist. Aber diese hat sich mit der lebendigen Umsetzung von Trixy Royeck zu einem dauerhaften und alltagstauglichen Leseerlebnis entwickelt. Seit Bonn findet diese Idee viele Nachahmer.

Hier gibt es eine Liste öffentlicher Bücherschränke.  

Reha für Kliniken in Not Ein Beitrag von Dr. Christian Kaufmann

Sanierung von Krankenhäusern in der Insolvenz
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Die wirtschaftliche Lage vieler Krankenhäuser in Deutschland ist nach wie vor schlecht. Zwar hat sich die Lage gegenüber dem Vorjahr etwas verbessert. Nach dem unlängst erschienen Krankenhaus Rating Report 2016 des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsförderung (RWI) schreiben jedoch 23 % der 870 untersuchten deutschen Krankenhäuser weiterhin rote Zahlen. Immer noch 11 % weisen eine erhöhte Insolvenzgefahr auf. Dabei geht es den Krankenhäusern im Westen schlechter als den Kliniken im Osten. Besonders betroffen sind die Bundesländer Bremen, Niedersachsen, Hessen und Baden-Württemberg.

Die Gründe für diese dramatische Situation liegen in dem extensiven Verdrängungswettbewerb aufgrund der bestehenden Überkapazitäten auf dem deutschen Krankenhausmarkt bei gleichzeitig gestiegenem Kostendruck durch das aktuelle System der Krankenhausfinanzierung.

Der extensive Verdrängungswettbewerb zeigt sich nicht nur darin, dass trotz einer sinkenden Anzahl von Krankenhäusern – die Zahl hat sich seit dem Jahr 2000 bis zum Jahr 2015 um 286 Kliniken bzw. um 12,76 % auf noch 1956 Kliniken verringert – die Bettenzahl und -auslastung in den letzten Jahren jeweils nahezu konstant geblieben ist. Es ist also trotz einer erheblichen Reduzierung von Krankenhäusern zu keiner Verringerung der Bettenanzahl zugunsten einer höheren Bettenauslastung gekommen. Und dies, obwohl die Fallzahlen seit 2006 deutlich angestiegen sind (bei allerdings gleichzeitig deutlich zurückgegangenen durchschnittlichen Verweildauern der Patienten). Vielmehr ist es zu einer spürbaren Marktkonsolidierung gekommen, bei dem wirtschaftlich effiziente Krankenhäuser zusätzliche Kapazitäten aufgebaut haben und somit in einem schrumpfenden Markt wachsen konnten.

Ein intensiver Wettbewerb besteht auch beim Personal aufgrund des bestehenden Fachkräftemangels. Dies führt insbesondere bei Kliniken im ländlichen Bereich zu erhöhten Personalkosten, da hier besonders oft auch – teurere – Honorarärzte eingesetzt werden müssen. Dieses Problem wird sich angesichts einer zu erwartenden Zunahme von Behandlungen bis zum Jahr 2030 um 18 % weiter verschärfen.

Die beschriebene Marktkonsolidierung ist unmittelbare Folge des aktuellen Systems der Krankenhausfinanzierung in Deutschland – insbesondere der Einführung des DRG-Systems (Diagnosis Related Groups-System) im Jahr 2003 zur Finanzierung der Betriebskosten. Diese hat zu einer Kosten-Erlös-Schere bei den deutschen Krankenhäusern geführt.

Denn während die Kostenseite marktwirtschaftlichen Bedingungen unterliegt, wird die Einnahmesituation durch eine starre Finanzierung der Betriebskosten auf Basis von Fallpauschalen und Jahresbudgets bestimmt, die die Kostensteigerung nicht vollumfänglich berücksichtigt. Während die Kosten je Behandlungsfall in den Jahren 2005 bis 2012 jährlich um 2,4 % gestiegen sind, sind die einzelnen Landesbasisfallwerte der Bundesländer jährlich nur um 1 % gewachsen. Damit erwirtschaften nur die Krankenhäuser auskömmliche Erträge, denen es gelingt, effizienter als die Normalkalkulation zu arbeiten.

Da diese Normalkalkulation keinerlei Finanzierungskosten beinhaltet, fehlt den weniger effizienten Kliniken zudem jeder Spielraum für Fremdfinanzierungen. Dies ist insoweit problematisch, als die nach dem in Deutschland geltenden dualen System der Krankenhausfinanzierung für die Finanzierung der Investitionen bei im Krankenhausplan aufgenommenen Häusern in öffentlicher Trägerschaft zuständigen Bundesländer in den letzten 25 Jahren die Investitionen in den Krankenhausbereich beständig zurückgefahren haben – zwischen den Jahren 1991 und 2011 um 25 %; mittlerweile beträgt der Investitionsstau laut Krankenhaus Rating Report 2016 stolze 27,8 Mrd. Euro. Dies führt bei weniger effizient arbeitenden Krankenhäusern mithin dazu, dass diese notwendige Maßnahmen zur Effizienzverbesserung mangels entsprechender Finanzmittel nicht ergreifen können, und somit weiter ins Hintertreffen geraten.

Damit sind von der Entwicklung besonders betroffen viele kommunale oder freigemeinnützige Krankenhäuser insbesondere der Grundversorgung, vor allem im ländlichen Bereich. Hier existieren oftmals in unmittelbarer Nähe verschiedene kleinere Einheiten („Jedem Kommunalpolitiker sein Krankenhaus“) ohne besondere Spezialisierung, die zum einen aufgrund von Mindestbesetzungsvorschriften hohe Personalkosten haben und besonders oft auch auf – teurere – Honorarärzte zurückgreifen müssen, um überhaupt das erforderliche Personal stellen zu können. Hinzukommt, dass diese Häuser in der Regel keine Synergieeffekte durch Kooperationen mit anderen Krankenhäusern im Primär-, Sekundär- und Tertiärbereich – etwa durch Zentralisierung von medizinischen Leistungen an einzelnen Standorten, Nutzung von Einkaufsgemeinschaften oder Zusammenlegung von Laborkapazitäten – nutzen können. Gleichzeitig fehlen insbesondere hier oftmals die notwendigen finanziellen Mittel, um notwendige Strukturanpassungs- und Effizienzverbesserungsmaßnahmen vorzunehmen. Hinzukommen bei diesen Krankenhäusern Probleme im Bereich der Corporate Governance. Oftmals sind die dortigen Gesellschafter- oder Aufsichtsgremien mit einer hohen Anzahl von ehrenamtlichen Mitgliedern besetzt, die jedoch nicht über die notwendige Qualifikation, Unabhängigkeit und Entscheidungsfähigkeit verfügen, um die erforderlichen Maßnahmen zur Abwendung von Krisen zu ergreifen.

Gerade für diese Häuser bietet sich eine Sanierung im Insolvenzverfahren mittels Insolvenzplan und Eigenverwaltung mit dem Ziel eines Erhalts des Rechtsträgers an.

Denn das Insolvenzrecht bietet zahlreiche Sanierungsinstrumente, die es außerhalb eines Insolvenzverfahrens nicht gibt, und die es selbst Unternehmen mit geringer vorhandener Liquidität ermöglichen, sich zu sanieren.

Zu nennen sind zum einen die Regelungen über das Insolvenzgeld. Hier werden die Personalkosten für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten von der Bundesagentur für Arbeit getragen, was dem Unternehmen finanzielle Spielräume für die Umsetzung von Effizienzverbesserungsmaßnahmen gibt. Je mehr Personal das Krankenhaus beschäftigt, umso höher  ist der Effekt.

Personalanpassungsmaßnahmen sind durch eine Verkürzung der Kündigungsfristen auf maximal drei Monate und eine doppelte Deckelungen der Sozialplankosten – zum einen auf 2,5-Monatverdienste pro Mitarbeiter, und zum anderen auf maximal ein Drittel der zur Verteilung an die Gläubiger zur Verfügung stehenden Masse – leichter möglich als außerhalb einer Insolvenz, wo zum Teil deutlich längere Kündigungsfristen und hohe Abfindungen aufgrund bestehender Tarifverträge zu beachten sind.

Und auch bei anderen Verträgen wie langfristigen Miet- oder Bezugsverträgen ist eine kurzfristige Kündigung mit einer Frist von drei Monaten möglich. Dabei können die Sanierungsmaßnahmen auch gegen den Willen einzelner Gläubiger(gruppen) oder Gesellschafter(gruppen) in einem Insolvenzplan durchgesetzt werden, was gerade die Schließung unprofitabler (Teil-)Standorte oder Stationen auf diesem Weg gut ermöglicht.

Dabei steuert bei einer Eigenverwaltung die bisherige Geschäftsführung den Betrieb mit Unterstützung insolvenzerprobter Sanierungsexperten durch die Krise; ein gerichtlich bestellter Sachwalter überwacht das Verfahren. Die Eigenverwaltung verbindet damit das bestehende Know-how in einem Krankenhaus mit der Expertise erfahrener Sanierer.

In der jüngeren Vergangenheit haben daher bereits einige Krankenhäuser diesen Weg einer Sanierung im Wege der Eigenverwaltung erfolgreich gewählt – etwa das KOL Klinikum Osnabrücker Land GmbH in Dissen, die AWO Gesundheitsdienste GmbH in Hann. Münden, der Südhessische Klinikverbund im Kreis Bergstrasse oder das Dominikus-Krankenhaus Düsseldorf-Heerdt GmbH in Düsseldorf.

Es ist absehbar, dass auch weitere Krankenhäuser diesen Weg gehen werden, um sich für die Zukunft wieder gut aufzustellen. Angesichts der vielen Vorteile dürfte die Eigenverwaltung schon bald zum Standardvokabular vieler Krankenhausmanager zählen.

Autor

KaufmannDr. Christian Kaufmann, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Insolvenzrecht, ist Partner und Geschäftsführer der PLUTA Rechtsanwalts GmbH und Leiter der Niederlassungen in Bremen und Oldenburg. Er wird regelmäßig von mehreren Insolvenzgerichten in Bremen und Niedersachsen zum Insolvenzverwalter bestellt. Daneben berät er Unternehmen im Rahmen von Eigenverwaltungen inklusive der Übernahme von Sanierungsgeschäftsführungen in Eigenverwaltungsverfahren. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist die Beratung von Gläubigern im Insolvenzverfahren sowie die insolvenzrechtliche Restrukturierungsberatung.

Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung – Erfolgsrezept mit Risiken und Nebenwirkungen Ein Beitrag von Prof. Dr. Volker Römermann und Dr. Achim Zimmermann

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Jetzt sind es schon drei Jahre, seit den Angehörigen der freien Berufe die Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung als Gesellschaftsform zur Verfügung steht. Anfänglich wurde die „klassische“ Partnerschaftsgesellschaft von ihrer Zielgruppe nicht gerade euphorisch aufgenommen. Die jüngere Variante gewinnt deutlich mehr Anhänger.

Mangelnde Haftungsbeschränkung kein Argument mehr

Viele Freiberufler verharren gedankenlos in ihrer ursprünglichen Gesellschaftsform – meist war es eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Diese Zurückhaltung setzte sich auch noch nach 1994 fort, obwohl die Anwalts-GmbH, ab 1995 die Partnerschaft (klassisch) und später die Anwalts-AG als Rechtsformvarianten hinzu kamen. Hierfür gibt es – neben dem Erfahrungssatz mit dem „Schuster in eigenen Sachen“ – verschiedene Gründe: Einerseits war die Haftungsstruktur der seit 1995 möglichen Partnerschaftsgesellschaft in ihrer ersten Version nicht das, was sich viele erhofft hatten. Eine umfassende Haftungsbeschränkung ähnlich der einer juristischen Person hatte der Gesetzgeber damals schlichtweg abgelehnt, das sei mit dem Wesen der freien Berufe nicht zu vereinbaren. Daneben wurde insbesondere bei den rechtsberatenden Berufen der Einwand laut, die Partnerschaftsgesellschaft könnte bei den Mandanten einen eher negativen Eindruck hinterlassen. Das alles ist passé. → weiterlesen

Der Bücherlotse oder stellvertretend für alle, die mich bislang durch die Literatur geführt haben

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Die Stimme weckte gleich meine Aufmerksamkeit als im »Buchhändlergespräch« im Deutschlandfunk der Buchhändler Klaus Bittner drei Literaturempfehlungen gab. Schön, dass die Buchhandlung auch nach Hause kommt, dachte ich, während ich zuhörte. Im Radiotempo ging es Schlag auf Schlag weiter. Erst ein Krimi, das interessierte mich eigentlich nicht, glaubte ich, aber dann packte mich seine Begeisterung und ich notierte mir den Titel, auch wenn die Moderatorin (es musste ja weiter gehen auf den Radiowellen) abrupt zur zweiten Empfehlung, einem Erzählband von Isaak Babel, schwenkte. Bittner änderte die Tonlage und umriss in wenigen Worten diese Entdeckung. Eigentlich hätte ich mich sofort auf den Weg machen müssen, um gleich bei ihm – und nur bei ihm – das Werk zu kaufen, nicht ohne noch ein paar begleitende Worte des Buchhändlers zu hören, warum man seinen Nachmittag oder Abend sofort mit diesem Buch verbringen sollte.

Ich blieb jedoch am Esstisch sitzen und lauschte weiter.  Die Moderation kam zum Schluss, das merkte ich der Stimme sofort an, aber die letzten 75 Sekunden füllte Bittner mit einer letzten Empfehlung. Ich war gebannt. Dann zog ich mich an und ging zu seiner Buchhandlung.→ weiterlesen

Britannien nach einem Brexit Alternativen zur Mitgliedschaft in der EU

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Ein Beitrag von Dr. Berthold Busch und Jürgen Matthes, Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Köln. Der Text wurde ursprünglich auf der Seite des IW veröffentlicht und uns von den Autoren freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Da die Briten mehrheitlich für einen Austritt aus der EU gestimmt haben, wird jetzt über Alternativen zur Mitgliedschaft diskutiert. Zu den verschiedenen Möglichkeiten zählen die Modelle Norwegen, Schweiz, Türkei und die WTO-Mitgliedschaft, die jeweils mit unterschiedlichen Konsequenzen verbunden sind.

Viele Brexit-Befürworter glauben, dass dem Vereinig­ten Königreich (UK) auch nach einem Austritt aus der Europäischen Union (EU) der europäische Binnenmarkt offensteht. Zugang zum EU-Binnenmarkt haben derzeit die drei EFTA-Staaten Norwegen, Island und Liechtenstein, die wie auch die EU dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) angehören. Die Schweiz, ebenfalls EFTA-Mitglied, hat sich dem 1994 in Kraft getretenen Assoziierungsabkommen über den EWR nach einer ablehnenden Volksabstimmung nicht angeschlossen und ist mit der EU über viele bilaterale Verträge verbunden. Zwischen den drei Staaten, die zum EWR, aber nicht zur EU gehören, und der Union gelten die vier Freiheiten des Binnenmarktes: der freie Verkehr von Waren, Dienstleis­tungen, Personen und Kapital. Norwegen engagiert sich außerdem in einigen anderen Politikbereichen der EU (Open Europe, 2015, 36). Es gilt damit als das am engsten mit der EU verbundene Nichtmitgliedsland. Einem Bericht der norwegischen Regierung zufolge hat das Land ungefähr drei Viertel aller EU-Gesetze übernommen. Zugespitzt heißt es dort, das Land sei gleichzeitig in der EU und draußen (ONR, 2012, 3). Würde das UK eine mit Norwegen vergleichbare Bindung an die EU realisieren können, beeinträchtigte dies die wirtschaftlichen Beziehungen wohl am wenigsten.

Das hat jedoch seinen Preis: → weiterlesen

Die Buchbranche in zehn Jahren Kaffeesatzlesen für eine Dekade

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Die Zeitschrift „Streifband“ wird herausgegeben vom Studiengang Buch- und Medienproduktion der HTWK Leipzig und erscheint seit 1996 jeweils zu den Buchmessen in Leipzig und in Frankfurt. Ende des letzten Jahres erhielt ich eine Anfrage der Streifband-Redaktion, ob ich für das Leipzig-Heft 2016 einen Text über die Zukunft der Buchbranche schreiben wolle. Zuerst war ich – ehrlich gesagt – etwas erschrocken ob dieser Herausforderung; der Umbruch in unserer Branche ist so gewaltig, dass ernsthafte Prognosen schwierig sind und man sich immer zu weit aus dem Fenster lehnt. Doch dann erschien diese Aufgabe in einem immer reizvolleren Licht, schließlich bin ich selbst sehr gespannt, was die nächsten Jahre bringen werden. So versuchte ich mich an einer Kaffeesatzleserei, um – rein subjektiv – vorherzusagen, wohin die Reise gehen mag. Der Text erschien ursprünglich in Streifband 27 im März 2016. Und jetzt noch einmal hier.

Betrachtungszeitraum

Vor dem Hintergrund der vielfältigen technischen Veränderungen in den letzten Jahren und einer Entwicklung, die gerade erst begonnen hat, genügt es, sich zehn Jahre als Betrachtungszeitraum vorzunehmen. In einer Dekade wird es technische Möglichkeiten geben, die wir uns im Moment noch nicht einmal vorzustellen vermögen. Bei einem Blick zurück erscheint es heute aber gleichzeitig absurd, dass vor einigen Jahren von so manchen ambitionierten Digitalpionieren der unmittelbar bevorstehende Tod des gedruckten Buches ausgerufen wurde.

Buchbranche? Welche?

DIE Buchbranche gibt es nicht, zu vielfältig ist sie in ihren Ausprägungen. Zwei Bereiche klaffen in den Bereichen Digitalisierung und Rezeption bereits meilenweit auseinander: Das Fachbuch und der Bereich Belletristik/Sachbuch. Im Fachbuch ist die Digitalisierung besonders weit fortgeschritten, naturwissenschaftliches, aber auch juristisches Arbeiten ist ohne eJournals und Datenbanken schon längst nicht mehr denkbar. Der Trend wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen, auch bei den traditionell papieraffineren Juristen werden die Bibliotheksregale in den Kanzleien mehr und mehr verschwinden oder sich verkleinern. Verlage, die ihre Werke nicht in den marktführenden Datenbanken unterbringen können, haben bereits mittelfristig ein ernstes Problem – denn Fachautoren veröffentlichen nur dort, wo sie auch gesehen und zitiert werden. Momentan erwirtschaften bei allen großen Fachverlagen Zeitschriften und Loseblattwerke als Cash-Cows einen wichtigen Umsatzanteil. Die Herausforderung der Verlage besteht u.a. darin, insbesondere diesen Anteil ins Digitale zu übertragen. → weiterlesen

Brexit-Tränen in Oxford

The Oxford University City, Photoed in the top of tower in St Marys Church. All Souls College, United Kingdom, England
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Professor Dr. Reinhard Bork, Universität Hamburg, befindet sich zur Zeit zu einem Forschungsaufenthalt an der Universität Oxford. Dort hat er unmittelbar die Wirkung der Brexit-Abstimmung auf die akademische Welt erlebt. Für den RWS Blog schreibt er darüber und erläutert auf eine sehr persönliche Weise, welche dramatischen Folgen das Abstimmungsergebnis für die englische Forschung und Wissenschaft haben wird.

Lesen Sie hier seinen Bericht:

„Let’s have lunch!“ Wenn man an einem Freitag Morgen um 8 Uhr von einer Oxforder Kollegin per E-Mail eine derart dringliche Aufforderung zum Mittagessen bekommt, muss schon etwas Besonderes passiert sein. In diesem Fall war zwei Stunden zuvor das Auszählungsergebnis zugunsten des Brexit verkündet worden, die Einladung also eine echte Solidaritätsadresse! Der Lunch fand im Senior Common Room eines der wohlhabendsten Colleges Oxfords statt und war eine der traurigsten Veranstaltungen, die dieses College je gesehen hat. Oxford hatte – wie viele andere Universitätsstädte – mit über 70% für „remain“ gestimmt. Niemand hatte erwartet, dass „leave“ gewinnen würde. Alle waren geschockt und konsterniert, wütend und traurig – das erste Mittagessen, bei dem tatsächlich und immer wieder Tränen flossen.

Die Universitäten fürchten jetzt um ihre Anbindung an die europäische Wissenschaftslandschaft. Sie erhalten aus Brüssel im Vergleich zu anderen Ländern überproportional viele Forschungsmittel, profitieren in ihren Forschungsteams von der Mitwirkung zahlreicher Wissenschaftler/innen aus EU-Ländern, sind Standort von europäischen Großforschungsanlagen und entsenden ein erhebliches Forscher-Kontingent in europäische Projekte auf den Kontinent. Alles das ist jetzt in Gefahr. Aber nicht nur im Großen, auch im Kleinen stellen sich viele Fragen: Kann ein englischer Jurist noch sinnvoll an einem Kommentar zum Europäischen Recht mitwirken? Kann ein solcher Kommentar noch vernünftigerweise in einem englischen Verlag veröffentlicht werden? Hat es noch Sinn, an einem dem Europäischen Recht gewidmeten Kongress in England teilzunehmen, wo doch feststeht, dass dieses Land an diesem Recht gar kein Interesse mehr hat?

Und was sind die Folgen für die Lehre? Deutschland entsendet jährlich etwa 13.000 Studierende nach England, die nur die (auch schon nicht unerheblichen) Inländer-Studiengebühren zahlen, während bei Studierenden aus anderen Staaten, etwas aus China, Russland oder den USA, ganz anders zugelangt wird. Müssen jetzt auch Studierende aus der EU mehr zahlen? Was ist mit dem europäischen Studentenaustauschprogramm „Erasmus“, das bisher englischen Studierenden ein Studienjahr auf dem Kontinent ermöglichte und solchen aus der EU das völlig gebührenfreie Studium in England? Fällt das alles jetzt fort? → weiterlesen

Kleine Fachverlage im Konzert der Großen

Markus-Sauerwald

In der Reihe „Sonntagsgespräch“ befragte die Zeitschrift BuchMarkt Markus J. Sauerwald, Verleger des RWS Verlags, über die Chancen und Möglichkeiten kleinerer (Fach)Verlage in einer sich immer schneller verändernden Medienwelt.

BuchMarkt: 2007 wechselten Sie von einem international operierenden Konzernunternehmen zu einem Kleinverlag mit etwa 20 Mitarbeitern. Was hat sie an dieser Entscheidung gereizt?

Die Entscheidung, einen Konzernverlag zu verlassen, habe ich nicht bereut. Die Fragestellung für einen (Fach)Verleger bleibt bei aller Größe gleich. Kann ich im Überfluss der Informationen Orientierung geben? Treffe ich die richtige Auswahl? Stelle ich das Wissen in zeitgemäßer Form den Lesern zur Verfügung? Gereizt hat mich, dass bei diesem Prozess die Gestaltungsmöglichkeit in kleinen Häusern ungleich größer ist.

BuchMarkt: Warum ist das so?

Die Möglichkeiten kleiner Verlage im Vergleich zu den Universalanbietern haben sich in den letzten Jahren immer mehr angeglichen. Eingehende Manuskripte zu digitalisieren und in allen Formen anbieten zu können, ist heute keine Frage des Geldes. Die Entscheidungswege sind kürzer, die schlanke Kostenstruktur erleichtert die Planung. Bei RWS hatten wir 2007 exzellente Inhalte, aber keine modernen Prozesse, um diese Inhalte in einem modernen Format verbreiten zu können. Aber es erwies sich als weniger schwierig, die analoge Herstellungsform auf eine zeitgemäße digitale Produktion umzustellen. Wer klein ist, kann das radikal von einem auf den anderen Tag ändern. Das haben wir getan. → weiterlesen

Medienbranche, Fachinformationen und Verlagsleben

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Der RWS Verlag ist einer der führenden Anbieter wirtschaftsrechtlicher Fachinformationen – besonders zu den Themenbereichen Insolvenzrecht, Gesellschaftsrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht finden Praktiker bei uns alles, was sie für ihre tägliche Arbeit benötigen. Alle unsere Produkte – Handbücher, Kommentare, Zeitschriften und Seminare – bieten wir auf der Verlags-Homepage rws-verlag.de an.

Hier auf dem RWS-Blog geht es uns vor allem darum, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Wir werden nicht nur Blogartikel zu Fachthemen veröffentlichen, sondern auch Berichte aus und über die Medienbranche sowie Eindrücke aus dem Verlagsalltag. Falls es so etwas wie „Alltag“ in einer Zeit der medialen Umbrüche überhaupt gibt.

Der vollständige Name des Verlags lautet RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH. Seit seiner Gründung 1977 liegt durch die enge Verzahnung von Seminarangeboten, Buchinhalten und Zeitschriftenbeiträgen der Fokus des Verlagsangebots auf der Kommunikation, auf dem Erfahrungsaustausch. Uns geht es darum, diesen Anspruch stets mit neuem Leben zu füllen und kontinuierlich auf allen Kanälen weiterzuentwickeln. Daher ist dieser Blog ein Experiment und wir sind gespannt, wohin die Reise gehen wird. Sind Sie dabei?

Wir freuen uns auf Sie.

Markus J. Sauerwald, Verleger
Uwe Kalkowski, Marketingleiter
und das gesamte Team des RWS Verlags.

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