Publizieren im digitalen Zeitalter

Publizieren im digitalen Zeitalter

Als Verleger eines Fachverlages suche ich immer wieder Autoren, die sich für Themen begeistern lassen und Schwieriges praxisgerecht oder wissenschaftlich durchdrungen darzustellen wissen. Treffe ich auf die Generation der sogenannten »digitalen Ureinwohner (digital natives)«, also der gesellschaftlichen Generation, die in der digitalen Welt aufgewachsen ist, werde ich jedoch zunehmend mit folgenden Fragen konfrontiert:

»Ist Bücher schreiben noch zeitgemäß? Werden Bücher in der digitalen Welt überhaupt noch wahrgenommen?«

Dieses ist meist der Beginn einer wunderbaren Diskussion zwischen mir und dem Fragesteller über eine zentrale Frage unserer Branche.

Natürlich hat die in der digitalen Welt sozialisierte Generation erlebt, dass der 24-bändige Brockhaus nicht mehr das gesamte Wissen verlässlich abbilden kann. Der Griff zum Smartphone liegt näher als der ins Bücherregal. Aber, so entgegne ich, gerade in dieser informationsüberfluteten Welt hat die Konzeption Buch eine überlebenswichtige Funktion. Denn das im fassbaren Format versammelte Wissen bleibt eine wichtige Orientierung im Übermaß der erreichbaren Informationen.

Der Rechtsuchende kann auf große Datenbanken zurückgreifen und stößt hier zunächst auf die Werke, die Verlage und Programmanbieter für den ersten Zugriff bereitgestellt haben. Über das Herkömmliche hinaus verweisen sie durch die eingesetzten Algorithmen auf die Informationen eines durch sie ermittelten Mainstreams, also was Follower oder die Mehrheit der Suchenden nachfragen.

Dieser Schwächen sind sich die Programmanbieter durchaus bewusst und setzen darauf, dass »Künstliche Intelligenz« menschliches Denken immer besser nachzuahmen versteht und zukünftig die Trefferausbeute verbessert. Aber soweit ist es eben noch nicht und wird vermutlich auch nie so weit kommen. Und schon deswegen kann eine gut strukturierte Darstellung Lösungswege aufzeigen und die Kreativität wecken.

Denn etwas anderes kommt hinzu: Nach allen derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen stößt die Künstliche Intelligenz dort an Grenzen, wo eigene Ideen gefordert sind, wo es um Psychologie und Einzelfälle geht, wo Stimmungen aufgenommen werden müssen oder das »Momentum« genutzt wird.

Gute Handbücher mit hohem Praxiswert oder tieferen wissenschaftlichen Erkenntnissen werden daher in der allgemeinen Diskussion wahrgenommen. Dies geschieht auch deswegen, weil das Buch selbst in allen zeitgemäßen Datenformaten angeboten werden kann, als strukturierte Datei für die Datenbank, als Web- oder E-Book. Der Autor ist mit den wichtigsten Informationen zum Werk im Netz auffindbar und kann im Wunschformat konsumiert werden. Entscheidend ist, dass er seine Darstellung in eine überlieferte, »menschengerechte« Form gebracht hat, die den Autor selbst schon kraft seines Formats zur Konzentration auf das Wesentliche zwingt.

Zudem ist es dem Menschen immanent, auch im »digitalen Reich« Herrscher bleiben zu wollen, Programm von Einzelfall zu unterscheiden, Erfahrungen mit Zukunftserwartungen zu vergleichen und den Raum für Individualität und Spontanität zu behalten.

So sind gerade auch in den Jahren, in denen viele neue digitale Angebote hinzugetreten sind, viele große Werke entstanden, die – je nachdem – Fels, Wegweiser oder Leuchtturm im Meer der Informationen sein sollen. Orientierung ist immer modern, die auf das Buchformat reduzierte, konzise Konzeption ebenso. Und so gelingt es doch immer wieder, jüngere Autoren zu »packen« und für das Publizieren im digitalen Zeitalter zu gewinnen.

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2 Kommentare

  1. Ich würde es auch bedauerlich finden, wenn durch die zunehmende Digitalisierung die Qualität der publizierten Werke abnehmen würde. Leider zeigen sich solche Tendenzen, wenn man sich zum Beispiel Wikipedia ansieht. Mag sein, dass das Wissen dort schnell abrufbar ist aber die Artikel genügen oft nicht den wissenschaftlichen Standards, sind schlecht recherchiert oder einfach zu oberflächlich.

    Wissenschaftliche Bücher sind daher immer noch das Maß aller Dinge. Leider sind gerade in diesem Bereich viele Sachen im eBook-Bereich noch gar nicht verfügbar. Das eBook soll sich bei der breiten Masse durchsetzen und „fashionabel“ sein. Daher liegt wohl auch das Hauptaugenmerk auf Romanen etc. Sicherlich auch sehr unterhaltsam aber im wissenschaftlichen Sinne meist irrelevant.

    Ich selbst habe auch einen Kindle Paperwhite und muss sagen, dass der gerade für Urlaube und das schnelle Lesen zwischendurch sehr gut geeignet ist. Ich vermisse nur bisher viele Sachen aus dem wissenschaftlichen Bereich. Das hätte während des Studiums schon mal den ein oder anderen Gang zur Bibliothek gespart 😉

    1. Sie haben Recht!

      E-Books sind seit einigen Jahren automatisch mit jedem publizierten Buch verfügbar. Leider hat es uns der Gesetzgeber schwer gemacht, Print- und E-Book miteinander zu verknüpfen.

      Trotz der Digitalisierung sehe ich als Verleger juristischer Bücher Raum für Werke, die es den Fachnutzern ermöglichen, in der Überfülle der Information Orientierung zu finden.

      Ich selbst nutze meinen E-Book-Reader vor allem mit der Markierfunktion, die es mir ermöglicht, wichtige Passagen als PDF-Dokument zu extrahieren.

      Und so wird jeder Nutzer im digitalen Zeitalter irgendeine Veröffentlichungsform für sich als ideal erachten. Aus diesem Grunde möchten wir selbst breit vertreten sein.

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