Das Seminargeschäft des RWS Verlags Fachseminare als wichtiges Standbein des Verlagsprogramms

Teil 2  der Beitragsreihe „Was macht eigentlich ein (Fach)Verlag?“

In der Beitragsreihe „Was macht eigentlich ein (Fach)Verlag?“ geht es nun um das Seminargeschäft des RWS Verlags. Denn wie bei den meisten Fachverlagen gehört auch bei RWS die Planung und Durchführung von Seminaren zum Geschäftsmodell. Bei RWS sogar noch etwas mehr als bei anderen, da dieser Verlag ursprünglich aus dem Seminargeschäft entstanden ist. Verlagsgründer RA Dr. Bruno M. Kübler hatte in den Siebzigerjahren begonnen, Fortbildungsveranstaltungen für Rechtsanwälte anzubieten. Die als Begleitmaterial ausgegebenen Skripte erfreuten sich einer so großen Beliebtheit, dass daraus 1977 der RWS Verlag entstand – und die RWS-Skriptenreihe mittlerweile fast bei Band 400 angekommen ist. Aus diesem Grund sind die RWS-Seminare bis heute nicht nur ein Zusatzangebot zur Vermittlung von Fachinformationen, sondern gehören zum Kerngeschäft des Verlags.

Die vierköpfige Seminarabteilung plant und führt etwa 130 wirtschaftsrechtliche Veranstaltungen im Jahr durch: Praktiker-Seminare, Mitarbeiterschulungen, Workshops, Lehrgänge und Tagungen. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt dabei auf dem Insolvenzrecht – und im Bereich insolvenzrechtlicher Fachseminare darf der RWS Verlag als einer der Marktführer gelten. Zum Portfolio gehören ebenfalls gesellschaftsrechtliche Seminare, oftmals an der Schnittstelle zum Insolvenzrecht, zumal es bei diesen beiden Rechtsgebieten bedingt durch die Reformbestrebungen der letzten Jahre zunehmend überschneidende Fragestellungen gibt. Ausgebaut wurde in den letzten Jahren das Angebot der bank- und kapitalmarktrechtlichen Seminare.

Die Themenfindung: Ein zentraler Punkt des Seminargeschäfts

Ein zentraler Punkt des Seminargeschäfts ist die Themenfindung. Es gilt, eine gute Mischung aus „Klassikern“ und Seminaren zu hochaktuellen rechtlichen Entwicklungen zusammenzustellen. „Klassiker“ sind bewährte Seminare, entweder zu Grundlagenthemen oder als regelmäßige Updates mit Analysen zu rechtlichen Entwicklungen. Um das Programm stets am Puls der Zeit zu halten, ist es wichtig, die Gesetzgebung im Blick zu haben, sich frühzeitig mit Reformen oder geplanten Gesetzgebungsverfahren zu beschäftigen. Zahlreiche Impulse für Seminarthemen kommen aus der höchstrichterlichen Rechtsprechung, für viele unserer Veranstaltungen können wir regelmäßig BGH-Richter als Referenten gewinnen, die den Teilnehmern Informationen aus erster Hand liefern.

Die Recherche nach Themen und die Suche nach geeigneten Referenten ist eine der wichtigsten Aufgaben der beiden Seminarleiterinnen Rechtsanwältin Sonja Leyendecker und Rechtsanwältin Lidia Beyer. Zahlreiche Branchenveranstaltungen – wie etwa der Deutsche Insolvenzverwalterkongress, der Deutsche Insolvenzrechtstag oder die NIVD-Jahrestagung – sind dabei Pflichttermine; immer auf der Suche nach potentiellen Themen oder Referenten. Eine gute Vernetzung ist dabei das A und O des Geschäfts.

Immer wieder bieten faktische Entwicklungen Stoff für Fachseminare, zumal, wenn sie so zahlreiche Fragen aufwerfen wie etwa die Themen DSGVO, Insolvenzverwalterbestellung oder Kryptowährungen. Regelmäßig kommen auch Referenten mit Themenvorschlägen auf den RWS Verlag zu, gemeinsam werden dann passende Termine und Formate entwickelt. Im umgekehrten Fall gehen die Seminarleiterinnen gezielt auf potentielle Referenten zu, um diese für eine Veranstaltung zu gewinnen. Auch hier geht es um die richtige Mischung: Im Seminarprogramm finden sich bekannte Namen ebenso wie vielversprechende Newcomer – damit ist gewährleistet, dass stets neue Impulse einfließen.

Wird man sich handelseinig, entsteht in Zusammenarbeit zwischen Referenten und Seminarabteilung  ein Veranstaltungskonzept: So wird das Fachwissen der Vortragenden gekoppelt mit der Seminarplanung unter Marketingaspekten – das beginnt bei der Formulierung des Titels und kann bis zu inhaltlichen Unterpunkten reichen, die unter wettbewerblichen Gesichtspunkten unbedingt berücksichtigt werden müssen.

Hart umkämpft: Der Markt juristischer Fortbildungsveranstaltungen

Ein gutes Stichwort: Der Wettbewerb. Als 1977 die allerersten RWS-Seminare stattfanden, gab es noch kaum kommerzielle anwaltliche Fortbildungsveranstaltungen. Dies hat sich grundlegend geändert, inzwischen ist daraus ein hart umkämpfter Markt geworden. Als einer der Anbieter der ersten Stunde profitiert der RWS Verlag zwar von einem jahrzehntelangen Ruf als renommierter Seminarveranstalter – aber dies ist kein Grund, sich auf diesem Ruf auszuruhen. Nur wer es als Veranstalter schafft, mit den angebotenen Themen, den vortragenden Referenten und einem attraktiven Seminarumfeld einen Mehrwert für die Teilnehmer zu schaffen – wobei auch der Vernetzungsgedanke eine wichtige Rolle spielt – kann sich langfristig am Markt behaupten.

Einen Stillstand bei Seminarangeboten gibt es dabei nicht; immer wieder gilt es, neue Wege ausprobieren – nicht nur thematisch innovativ, sondern auch didaktisch. So entstehen bei RWS regelmäßig neue Formate, neben den klassischen Praktiker-Seminaren und den Mitarbeiterschulungen etwa die Praktiker-Workshops oder der RWS-After-Work-Talk.

Und auch die Zielgruppenansprache verändert sich mit den Entwicklungen am Rechtsmarkt. Für insolvenzrechtliche Seminare beispielsweise sind Berufsträger und Mitarbeiter aus insolvenzrechtlich ausgerichteten Anwalts- bzw. Verwalterkanzleien natürlich das Kernpublikum. Durch die Insolvenzrechtsreform ist dieses Thema aber auch für Berufsgruppen wie Steuerberater, Wirtschafts- und Unternehmensprüfer interessant geworden, die jetzt sanierungsrechtlich tätig sein können. Dies ist nur ein Beispiel, wie auch das Seminargeschäft sich veränderten Rahmenbedingungen anpassen muss – etwa, indem zahlreiche RWS-Seminare durch den DStV e.V. als für dessen Mitglieder geeignete Weiterbildungsveranstaltungen akkreditiert sind.

Eng verzahnt: Die Vorteile eines kleinen Unternehmens

Auf das gesamte Unternehmen bezogen ist die enge Verzahnung des Seminarbereichs mit dem Buch- und dem Zeitschriftenbereich ein wichtiger Eckpfeiler für den wirtschaftlichen Erfolg des RWS Verlags. Die Seminarabteilung steht in intensivem und regelmäßigem Austausch sowohl mit dem Buchbereich als auch mit den Redaktionen der Fachzeitschriften des Verlags. So kristallisieren sich zum einen mögliche Themen für Seminare frühzeitig heraus, zum anderen werden aus Referenten Buch- oder Zeitschriftenautoren. Und umgekehrt. Nicht zuletzt durch die kurzen Wege und das informelle Miteinander eines kleinen Verlags lassen sich mit Hilfe des ständigen Austauschs neue Fachinformationsangebote in allen Formen effektiv entwickeln.

 

Hier geht es zu Teil 1 der Beitragsreihe der Beitragsreihe „Was macht eigentlich ein (Fach)Verlag?“:
Programmplanung bei RWS
Wie Fachliteratur entsteht und in welchen Formen sie heute angeboten wird.

Hier geht es zu Teil 3 der Beitragsreihe „Was macht eigentlich ein (Fach)Verlag?“:
Das Rückgrat eines Fachverlags
– Fachzeitschriften bei RWS.

Alle Fotos: (c) Guido Schiefer

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